Einblick No. 10 // Bildungstage

Theater verbindet

Die Bildungstage des Bundes Deutscher Amateurtheater von Insidern beobachtet

Jährlich finden in Paderborn, der oft unterschätzten ostwestfälischen Universitätsstadt, die Theatertage europäischer Kulturen statt. Vom Bund deutscher Amateurtheater (BDAT) organisiert, ist dies ein Fest der „Freien und nicht professionellen Gruppen“ und damit auch eine Pilgerstätte für Theaterinteressierte, insbesondere solche, die mit Amateurtheatern verbandelt sind. So bot es sich an, dass auch hier die Bildungstage für die Freiwilligen im Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung des BDAT stattfanden. 25 Freiwillige hatten sich für das Fest angemeldet und konnten damit auch an den zwei von der BKJ organisierten Bildungstagen teilnehmen. Maud Krohn, Referentin für den Bundesfreiwilligendienst Kultur und gestaltete zwei Tage für die Freiwilligen, die unter dem Zeichen des Erfahrungsaustauschs standen. Die Teilnehmer/-innen im Alter von 33 bis 75 Jahren, standen an unterschiedlichen Punkten ihres Freiwilligenjahres. „Der eine hat bereits ein Jahr Bundesfreiwilligendienst hinter sich, die andere erst zwei Tage“, erzählt Maud. Ganz unterschiedliche Ausgangsbedingungen für solch ein gemeinsames Seminar, so könnte man meinen. „Die Freiwilligen waren vor allem an einem interessiert: am Erfahrungsaustausch: Was machen die anderen? Was sind ihre Aufgaben?“, erzählt Maud. Dafür wurde in den zwei Tagen viel Zeit gegeben. Letztendlich zeigte sich, dass egal, wie unterschiedlich die Amateurtheater sind, so ähnlich sind sich doch die Aufgaben, die die Freiwilligen erledigen: Organisieren, Texte kopieren, Karten abreißen, Bühne aufbauen, Licht einrichten – „Mädchen für alles“, so sagten die Freiwilligen selbst oft. „Alle haben sie gern die Fäden in der Hand. Und obwohl sich ihre Aufgaben oft nicht sehr unterscheiden: Die Gruppe ist sehr heterogen. Das macht die Seminararbeit so spannend“, erzählt Maud.

Es ist eher ungewöhnlich, dass die BKJ sich direkt an der Seminararbeit beteiligt. Das ist Aufgabe der Träger, wie der BDAT. Doch die BKJ-Mitarbeiterin wollte die Bundesfreiwilligen kennenlernen, „ihre Beweggründe und Sorgen von ihnen direkt erfahren“, mitbekommen, wie der Bundesfreiwilligendienst läuft. Das ist Maud auch in Zukunft wichtig. Als Zentralstelle des Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung ist die BKJ mit vielen Formalitäten und der Verwaltung der aktuell zehn Träger, die zum Teil bundesweit, zum Teil in einzelnen Bundesländern für über 27-Jährige diesen Dienst anbieten, beschäftigt. Dabei geht es darum, für alle Träger im Gespräch miteinander gültige Standards zu entwickeln, neue Einsatzstellen anzuerkennen oder Auskunftssuchenden am Telefon weiterzuhelfen. Die Bildungstage des BDAT, die auch schon im vergangenen Jahr zusammen mit der BKJ umgesetzt wurden, bieten die Möglichkeit, nicht nur über, sondern auch direkt mit den Freiwilligen zu sprechen. Für alle Träger wäre das nicht möglich, doch in Kontakt zu bleiben und Stippvisiten zu machen, das will die BKJ beibehalten.

„Unser Anspruch ist es, verstärkt Reflexionselemente einzubauen, die politische Bildung anzustoßen und aktiv dafür einzutreten, um im Endeffekt Qualitätsstandards aufzubauen, die für alle in Ordnung sind“, sagt Maud. Die Besonderheit des BDAT ist die Festlegung auf ein ganz bestimmtes Themenfeld, das Amateurtheater. Anders, als in anderen Freiwilligendiensten, sei hier das Feld sehr genau abgesteckt, erklärt Maud und die Besonderheit sei dafür, dass die Freiwilligen aus so unterschiedlichen Lebenskontexten kommen. „Der Bundesfreiwilligendienst bringt für uns alle eine neue Zielgruppe mit sich: Die Lebensälteren.“ An der erfolgreichen Entwicklung lebensrelevanter Bildungsangebote für diese Zielgruppe wird sich der Bundesfreiwilligendienst irgendwann messen lassen müssen, ist sie sich gewiss. 

von Annika Esser
Juli 2013

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