"Bufdi"

Als der Bundesfreiwilligendienst ins Leben gerufen wurde, da begann auch der Begriff des BUFDI durch die Gegend zu geistern. Abkürzungen sind beliebt, auch wenn sie schrecklich klingen. Aus dem ZIVI wurde der BUFDI. Aufgaben die von einem „BUFDI“ übernommen werden haben wir im Team der LKJ Niedersachsen spontan assoziiert mit eintönigen, vielleicht stumpfen Tätigkeiten, Hilfsarbeiten, Lückenbüßer haben wir uns darunter vorgestellt. Den Begriff „BUFDI“ haben wir daher aus dem offiziellen Wortschatz der LKJ verbannt, denn die Art von Tätigkeiten wollten wir mit dem Bundesfreiwilligendienst nicht assoziiert wissen. Daher sprachen wir von Bundesfreiwilligen, auch wenn es mühselig war, immer das komplette Wort auszusprechen und zu schreiben. Für uns war es ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber Menschen, die sich ein Jahr für die Gesellschaft engagieren möchten.

An einem trüben Oktobernachmittag treffe ich mich im Café Sikken in der Innenstadt von Emden mit Renate Kramer und Christine Schmidt de Vries. Beide sind  bei der Ländlichen Akademie Krummhörn tätig, beide stammen gebürtig aus der Umgebung von Emden. Frau Schmidt de Vries ist Geschäftsführerin und künstlerische Leitung der Ländlichen Akademie Krummhörn. Renate Kramer (Jg. 1955) leistet ihren Bundesfreiwilligendienst in der Ländlichen Akademie, das ist wie sie sagt „ihr Leben“. Sie begleitet seit einigen Jahren als Vorstandsfrau die Aktivitäten der rührigen Ostfriesen, die mit ihren innovativen und generationsübergreifenden Projekten aus der Landschaft der kulturellen Jugendbildung und Soziokultur nicht mehr wegzudenken sind. Frau Kramer ist auf Grund einer Berufsunfähigkeit früh verrentet und ist froh, dass der BFD ihr die Möglichkeit gibt, ihr bisheriges Ehrenamt für eine befristete Zeit auf andere, offizielle Füße zu stellen. Am Abend erlebe ich sie in der Produktion „Das ganz große Los“ auf der Bühne der Nordseehalle Emden. Zusammen mit weiteren 120 Mitwirkenden aus der Krummhörn. Renate Kramer singt im Chor „Die Malle Diven“ und ist damit in dem  Stück über die Geschichte von VW Emden mittendrin. Sie organisiert, sie ist Ansprechpartnerin für die Mitwirkenden und sie singt mit großer Begeisterung. Mit großer Begeisterung bezeichnet sie sich auch als „Bufdi“. Ich bin irritiert. Ein BUFDI und stolz darauf?  Die beiden Ostfriesinnen, Christine Schmidt de Vries und Renate Kramer klären mich auf: Ik buf di. Das heißt auf platt so viel wie: „Ich stoß dich an“.

„Ich stoß dich an“ – den Bundesfreiwilligendienst versteht die LKJ Niedersachsen als Anstoß. Für Menschen, die ihren beruflichen Werdegang noch ins Laufen bringen möchten, für Menschen, die ihrem beruflichen Leben eine neue Wendung geben möchten. Für Menschen, die am Ende ihrer beruflichen Lebensphase stehen und eine sinnstiftende Tätigkeit suchen. Für Einrichtungen, die über den BFD eine zusätzliche Unterstützung für ihre Arbeit gewinnen.

„Ik buf di – ich stoß dich an.“ Wie schön, dass es das ostfriesische Platt gibt, was es mit einfachen Worten auf den Punkt bringt. Wie schön, dass es die BUFDIs gibt und wir diesen Begriff stolz und mit voller Inbrunst für Menschen verwenden können, die ihrem und dem Leben anderer einen Anstoß geben!

Text: Juliane v. Ilten, Leitung Freiwilligendienste LKJ Niedersachsen
Bild: Anna Schäflein, privat