Einblick No. 6 // Freiwillige

"Günstiger kann man Bildung nicht kriegen"

Doreen Niemann
Bundesfreiwilligendienst 2012, 1. Pommersches Blasorchester Wolgast

Im Frühjahr 2011 erhielt Doreen eine Inspiration –  in Form einer E-Mail. Aus der Zentrale der Deutschen Bläserjugend ging die Nachricht über den neu entstandenen Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung an ihre Mitgliedervereine. Der Vorsitzende des  1. Pommerschen Blasorchesters in Wolgast wurde darauf aufmerksam. „Die fanden die Idee gut, konnten Unterstützung gebrauchen und haben mich auch gleich ins Auge gefasst“, sagt Doreen Niemann. Sie hatte zwar als Vizepräsidentin des Bläserverbands Mecklenburg-Vorpommern grob vom Bundesfreiwilligendienst gehört, aber sich damit nicht weiter beschäftigt: „Gut, dass die Nachrichtdirekt an alle Vereine ging. Diese haben gezielt gesucht  und ich bin im Nachhinein froh, dass sie gleich an mich gedacht haben“. Damit waren eine Einsatzstelle und ein Platz für Doreen geschaffen.

Doreen Niemann stammt von der Insel Rügen, hat nach der Schule Musikwissenschaft und Skandinavistik in Greifswald studiert und war immer auch selbst Musikerin. Nach dem Studium wollte sie – und will es immernoch – am liebsten kulturell und bildend tätig werden. Ob nun im Veranstaltungsmanagement oder in der Kulturvermittlung für Kinder und Jugendliche, da legt sie sich nicht fest. Da sie nach dem Studium nicht gleich einen Job fand, kam der Bundesfreiwilligendienst gelegen. Bundesfreiwilligendienst – das Wort war ihren Bekannten oft kein Begriff. „Ich musste oft sagen: Das ist jetzt der neue Zivildienst, damit sie überhaupt was damit anfangen konnten. Begeistert waren sie trotzdem, dass es sowas überhaupt gibt. Viele in meinem Umkreis sind auch in Vereinen organisiert und sehen selbst, dass dort Hilfe nötig ist.“

Wer sich freiwillig in Musikvereinen engagiert, hat neben seinem Beruf noch viel zu tun: Kassenwart, Veranstaltungen, Noten sortieren – oft gibt es viel zu viele Aufgaben für deutlich zu wenig Zeit. „Ich mach das eben „hauptberuflich“.. Das ist für die anderen eine ungeheure Entlastung, wenn sie mir noch Aufgaben geben können, die sie nicht mehr schaffen.“ Keine Konkurrenz also oder etwa Neid, sondern viel Dank für die Entlastung zeigen die Ehrenamtlichen der Freiwilligen gegenüber. Und auch Doreen ist neben ihrem Bundesfreiwilligendienst noch ehrenamtlich tätig: Im Jugendblasorchester Sassnitz und Jugendbeirat Sassnitz ist sie Kassenwärtin – und Mitglied „natürlich“.

Vor kurzem war Doreen Niemann eingeladen, in ihrer ehemaligen Schule im Rahmen von Infotagen für die Berufsorientierung über den Bundesfreiwilligendienst zu erzählen. Gern legte sie den oft noch über ihre eigene Zukunft unwissenden Schülern den Bundesfreiwilligendienst nahe. „Man kann sich quasi kostenlos weiterbilden – günstiger kann man Bildung nicht kriegen. Die Erfahrung, die man sammelt in dem Jahr, finde ich wunderbar.“ Obwohl  Doreen sogar schon studiert hat, ist es für sie eine wertvolle Erfahrung und zusätzliche Referenz – und selbst wenn nicht: „Wissen kann man nie genug“

// Die Deutsche Bläserjugend (DBJ) ist seit Januar 2012 Träger im Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung. Sie bietet bundesweit beinahe 100 Plätze im Musikbereich an, vor allem für über 27-Jährige. 

von Annika Esser
Oktober 2012

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